Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach setzt sich beim Bund für die Stärkung der Vor-Ort-Apotheken ein
Die Versorgung sichern!
BGL/München. Immer mehr Apotheken in Deutschland und damit auch in Bayern müssen schließen, das Berchtesgadener Land trifft es besonders hart. Damit setzt sich auch 2025 eine Entwicklung fort, die die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln auch in den Notdiensten, an Sonn- und Feiertagen und in der Nacht, die individuelle Beratung und Spezialanwendungen nicht nur im onkologischen Bereich massiv gefährdet.
von links: Landrat Bernhard Kern, Dr. Thomas Wellenhofer Bahnhof-Apotheke Freilassing, Staatsministerin Gesundheit Judith Gerlach, Sabine Wölfer Salinen-Apotheke Bad Reichenhall, Stimmkreisabgeordnete und Staatsministerin Michaela Kaniber
Foto: Max Oberwegner
Die Inhaber der Salinenapotheke Bad Reichenhall, Sabine Wölfer, und der Freilassinger Bahnhof-Apotheke, Dr. Thomas Wellenhofer, wandten sich deshalb mit der Bitte um ein Gespräch an Staatsministerin und Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber. Auf Initiative Kanibers wurde zu dem Austausch Gesundheitsministerin Judith Gerlach eingeladen, um diese auf Basis neuester Informationen auf die Dramatik der aktuellen Situation aufmerksam zu machen und um Unterstützung zu bitten.Begleitet wurden die Apotheker aus dem BGL von Landrat Bernhard Kern, der mit seiner Teilnahme die Dringlichkeit des Themas unterstrich.
Vor allem an Feiertagen, so zuletzt an Neujahr und Dreikönig, zeigt sich am Beispiel Notdienst-Apotheken besonders deutlich, wie es um die lokale wie regionale Apothekenlandschaft bestellt ist:
Landkreisweit musste eine einzige Apotheke – in diesem Fall die Reichenhaller Salinenapotheke – die gesamte Notfallversorgung abdecken.Diese personell wie organisatorisch extrem schwer zu meisternde Situation hatte die heimischen Apotheker veranlasst, die Politik um Befassung und Hilfe zu bitten.
Leistung und Leidenschaft
„Apothekerin und Apotheker üben einen Heilberuf aus, den man nur mit Herzblut betreiben kann“, eröffnete Sabine Wölfer ihr Eingangsstatement. „Dazu gehören viele Leistungen, die man auf den ersten Blick nicht sieht, nicht zuletzt eine gute Personalausstattung, ein breites wie tiefes Sortiment an Arzneimittel und apothekenüblichen Waren, die ständige Aus- und Weiterbildung, Notdienste, hochqualifizierte Beratung oder die Versorgung des Landkreises mit onkologischen Präparaten bei ambulanter Behandlung, die je nach Patient und Anwendung im BGL von den beiden Apotheken individuell hergestellt werden.“
Allein die patientenindividuelle Herstellung von onkologischen Arzneimitteln durch öffentliche Apotheken spart dem deutschen Gesundheitssystem gegenüber stationärer Behandlung geschätzte 700 Millionen Euro pro Jahr und ermöglicht eine eklatante Entlastung der stationären Strukturen. Würde die Möglichkeit der ambulanten Vor-Ort-Behandlung in diesem Bereich entfallen, könnten die stationären Strukturen zudem die Zahl der Patienten alleine nicht bewältigen.
„Deswegen brauchen wir Planungssicherheit im Gesundheitswesen und ein sicheres Einkommen – ohne Beides ist so ein komplexes Unternehmen wie eine Apotheke nicht aufrechtzuerhalten“, so Wölfer und Wellenhofer.
Beide wehren sich unisono gegen den Eindruck, eine Apotheke sei eine Gelddruckmaschine:
„Natürlich kostet gute Leistung. Aber die zweite Seite der Medaille ist, dass wir immense Ausgaben haben, um gutes pharmazeutisches Personal und eine hochqualitative und sichere Versorgung zu gewährleisten. Allein die Errichtung und Entwicklung unserer onkologischen Labors summierte sich über die Jahre auf eine Investitionssumme von rund 2,5 Millionen Euro. Dass immer mehr Apotheken schließen und gleichzeitig immer weniger das Risiko einer Übernahme oder Eröffnung auf sich nehmen, ist ein mehr als deutlicher Beweis für die Dramatik der Situation.“
Versorgung sicherstellen
Einen reinen Preisvergleich mit Online-Apotheken lehnen beide Apotheker ab: Vergleichbare Leistungen wie bei einer Vor-Ort-Apotheke gibt es nicht. „Wir bitten, die umfangreichen und wertvollen Tätigkeiten einer Apotheke im Ort zur Kenntnis zu nehmen. Jeder kann dann leicht ersehen, wie wichtig individuelle Beratung und 24/7-Versorgung für jedes Alter ist.“
„In den letzten Jahren haben wir fast die Hälfte unserer Apotheken im Landkreis verloren“, berichtet Wellenhofer, „und 2025 werden weitere dazukommen.“ Im inneren Landkreis drohe zudem eine potentielle Unterversorgung.„Zu den genannten Themen kommen viele weitere hinzu, die hier den Rahmen sprengen würden“, so Wellenhofer weiter: „Als eines sei nur die Substitutionsbehandlung bei Drogenabhängigen genannt. Wenn hier die Apothekenleistungen wegfallen, bedeutet das nichts anderes als sozialen Sprengstoff.“
Beiden Apothekern ist natürlich bewusst, dass der Großteil der Gesetzgebungskompetenz im Bereich Medizin und Pharmazie beim Bund liegt.
„Wir bitten Sie also dringlich, Ihre Möglichkeiten als Land beim Bund zu nutzen, um auf Verbesserungen hinzuwirken. Seit vielen Jahren wurde zum Beispiel die Vergütung der Apotheken nicht an die allgemeine Kostenentwicklung und die Inflation angepasst“, ergänzt Wölfer.
Gerlach setzt sich ein
Gerlach betonte: „Wir brauchen in Deutschland auch weiterhin eine flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln – auch nachts und in Notfällen. Und wir brauchen auch künftig eine hochqualitative persönliche Beratung durch die Apothekerinnen und Apotheker. Bayern wird sich deshalb auch nach der Bundestagswahl weiter bei der neuen Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Vor-Ort-Apotheken in ihren Strukturen gestärkt und wirtschaftlich stabilisiert werden. Um das Apothekensterben zu beenden, müssen die Leistungen der öffentlichen Apotheken endlich wieder angemessen vergütet werden. Nur so können die durch Energiekrise, Lohnsteigerungen und Inflation gestiegenen Betriebskosten kompensiert werden.“
„Bei medizinischer Versorgung und der Versorgung mit Arzneimitteln hört der Spaß auf“, unterstützt Kaniber ihre Kollegin und damit die Anliegen der bayerischen Apotheker. Auch bei den hier gesetzgeberisch begrenzten Möglichkeiten des Freistaates werde jede Form der Sensibilisierung der Bundesregierung für die Apothekenanliegen eindrücklich unterstützt.
Wölfer und Wellenhofer fassten ihren Dank für die Begegnung in einer Erklärung zusammen:
„Wir wollen nicht jammern! Wir wollen die Zukunft der Apotheken sichern.
Die Zukunft einer guten Arzneimittelversorgung aller Menschen, auch auf dem Land, und die Zukunft unseres pharmazeutischen Nachwuchses und Berufsstandes. Dafür bitten wir Sie noch einmal um ihre Unterstützung!“
Inko-Sprechstunde
wöchentlich Dienstag 8:00-12:00Uhr
Wir bieten für unsere Kunden und ihre Angehörigen eine "Inkosprechstunde" an!
Diese findet immer dienstags zwischen 8:00 und 12:00Uhr statt. Hier steht Ihnen eine unserer beiden Ansprechpartnerinnen Frau Ziegler bzw. Frau Schweikart zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich mit allen Fragen und Anliegen zu Ihrer Inkontinenzversorgung in diesem Zeitfenster an uns oder vereinbaren Sie einen individuellen Beratungstermin.
Unser Beratungsteam für onkologische Patienten
Seit 25 Jahren versorgen wir in unserer Sterilabteilung Krebspatienten des Berchtesgadener Landes mit Chemotherapien. Für die Herstellung dieser lebenswichtigen Medikamente ist ein spezielles Reinraumlaubor notwendig, das nur wenige Apotheken haben.
Zum 25-jährigen Jubiläum haben wir uns entschieden, Krebspatienten nicht nur mit Chemotherapien zu versorgen, sondern ihnen in Zukunft
auch Unterstützung anzubieten, wenn Nebenwirkungen durch die Therapien im Bereich der Haut und den Schleimhäuten auftreten.
Unser OnkoTeam hat sich zu diesem Thema weitergebildet und möchte nun mit seinem Wissen vielen Betroffenen helfen. Herr Matthias Papst und Herr Maximilian Szatko absolviertn die Weiterbildung zum Apotheker für onkologische Pharmazie. Frau Daniela Wiesbacher ist Fach-PTA für Onkologie und Frau Josefa Wendl hat sich zur Fach-PTA für Dermopharmazie weitergebildet.
Wir beraten Sie gerne zu folgenden Themen:
- Probleme mit der Augen- und Nasenschleimhaut
- trockene und entzündete Mundschleimhaut
- Missempfindungen an Händen und Füßen
- Hautprobleme oder Hand-Fuß-Syndrom
- trockene und gereizte Anal- und Vaginalschleimhaut
Darüber hinaus bieten wir kostenlose Informationsbroschüren und Kontaktadressen für relevante Beratungsstellen an.

Matthias
Papst

Maximilian
Szatko

Daniela
Wiesbacher

Josefa
Wendl
25 Jahre Zytostatikaherstellung in der Kur-Apotheke
Wie alles begann...
1993 beendete ich mein Studium der Pharmazie in München und entschied mich als Apothekerin in der öffentlichen Apotheke tätig zu sein. Als meine Mutter mit 77 Jahren in den Ruhestand ging, übernahm ich die Leitung der Kur-Apotheke. Diese Apotheke mit ihrer langen Tradition fordere mich sehr schnell heraus:
„Frau Kast, ich möchte Sie gerne zu einem kurzen Gespräch einladen…“, sagte mir eines Tages der Urologe Herr Dr. Eichhorn. Daran schloss sich die langsame, aber immer sehr zielorientierte Entwicklung vom kleinen Labor in den hinteren Räumen der Apotheke bis hin zu unserem jetzigen, hochmodernen Sterillabor in der SalzEtage an.
Seit nunmehr 25 Jahren ist es uns ein großes Anliegen, auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer engsten Partner – die Ärzte – einzugehen und die größtmögliche Bandbreite in der Arzneimittelversorgung sicher zu stellen.
Nach und nach verstärkte sich die Nachfrage nach Sterilprodukten, die auf Abfrage und individuell für jeden Patienten hergestellt werden. Neben Zytostatika stellen wir inzwischen auch Schmerzpumpen für die Palliativversorgung und Augenzubereitungen her.
An diesen Herausforderungen bin ich gewachsen und in Bad Reichenhall angekommen. Ich habe meinen Platz gefunden: Mensch-Natur-Arbeitsfeld passen hier ideal für mich zusammen. Hier schlägt mein Herz, hier bin ich zu Hause.
Mein Dank gilt an dieser Stelle all unseren Partnern, die diese Versorgung Hand in Hand mit unserem Team möglich gemacht haben und uns noch immer begleiten. Unseren Patienten und Patientinnen danke ich für Ihr Vertrauen.
Diese 25 Jahre werden wir, sobald es wieder möglich ist, zusammen mit unseren Partnern und Ihnen als Bürger/-innen des Landkreises feiern.
Herzlichst
Sabine Wölfer und das Team der onkologischen Abteilung